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Zahlen des Landkreis Pinneberg als Beispiel

Was haben die Weihnachtsinsel, Katar, Honkong und Deutschland gemeinsam?

In manchen Ländern soll der Anteil der Kinder bis 14 Jahre über 40% der Bevölkerung ausmachen. Dazu gehören z.B. Afghanistan und Angola etc. Es gibt aber nur 4 Länder auf dieser Welt, wo der Anteil der unter 14-Jährigen weniger als 13% der Bevölkerung betragen soll. In Deutschland sollen das genau 12.9 % sein.

http://www.laenderdaten.de/bevoelkerung/altersstruktur.aspx

Ich bin bei dieser Statistik etwas vorsichtig, weil mir nicht bekannt ist, wie zuverlässig die Zahlen sind.

Die Altersgruppe 0 bis 14 Jahre ist für die Inobhutnahmen nicht absolut geeignet, weil in Deutschland das die 0 bis 18-Jährigen betrifft. Um diese Altersgruppe annähernd zu bestimmen muss man also rechnen. Der gute alte Dreisatz ist da hilfreich.

12,9/14*18 ergibt dann ungefähr 16,6. Der Anteil der 0-18-Jährigen betrifft dann also ungefähr 16,6% in Deutschland. Jetzt haben wir eine Zahl, bzw. einen Prozentsatz der für die Inobhutnahmen interessant ist.

Jetzt werfen wir mal einen Blick auf den Landkreis Pinneberg, der hat ca. 294.000 Einwohner. Bei 16,6 % Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wären das dann ca. 48.000 bis 49.000.

Aus 2015 wissen wir vom Leiter des dortigen Jugendamts:

In keinem anderen Bereich sind die Ausgaben so gestiegen wie in der Jugendhilfe. 31 Millionen Euro gibt der Kreis Pinneberg für zurzeit 2263 Fälle aus, neun Millionen Euro mehr als 2011. Allein die Kosten für die Schulbegleitung sind explodiert – von 11.000 Euro im Jahr 2008 auf zwei Millionen Euro 2014 …

… Seine 100 Mitarbeiter seien sehr engagiert, hat Helms festgestellt, der seit einem halben Jahr im Amt ist. „Sie fühlen sich für jeden einzelnen Fall verantwortlich und machen eine sehr anspruchsvolle Arbeit.“ Immer drohe eine öffentliche Skandalisierung wie im Fall der Jugendeinrichtung Friesenhof in Dithmarschen, die die Landesregierung jetzt geschlossen hat, nachdem erneut Misshandlungen von dort untergebrachten Mädchen publik wurden . …

…  Der Kreis arbeite hier bundesweit mit 100 Einrichtungen zusammen, wo zurzeit 359 Mädchen und Jungen aus dem Kreis Pinneberg leben. …

https://linkverzeichnis.wordpress.com/2015/06/18/jugendhilfe-in-pinneberg-auf-dem-pruefstand/

Man betreut also 2263 Fälle, und über 15% davon sind fremduntergebracht. Das wirkt auf mich viel, zu viel. Kein Wunder wenn dann die Kosten steigen, und das obwohl doch schon seit Jahren Jugendfreizeitheime aus Kostengründen immer häufiger geschlossen wurden, und somit die Kosten in dem Bereich eigentlich eher sinken sollten.

359 JuMä sind also fremduntergebracht. In 18 Jahren bedeutet das bei gleichbleibenden Zahlen bis zu 6462 Fälle. Bei 48.000-49.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist das doch eine ganz erhebliche Prozentzahl denen in ihrer Kindheit eine Inobhutnahme durch das zuständige Jugendamt droht.

Bei den Inobhutnahmen liegt das Bundesland Schleswig-Holstein statistisch übrigens im unteren Drittel. In Berlin ist die Anzahl der Inobhutnahmen fast 3x höher. Wenn man diese Zahlen vergleicht, dann kann man nur froh sein, wenn man in Deutschland kein Kind mehr ist. Dazu kommt dann auch noch, dass die hier genannten Zahlen der Inobhutnahmen bundesweit, und damit wahrscheinlich auch im Kreis Pinneberg, stark zugenommen haben.

 

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5 Kommentare zu “Zahlen des Landkreis Pinneberg als Beispiel

  1. „359 JuMä sind also fremduntergebracht. In 18 Jahren bedeutet das bei gleichbleibenden Zahlen bis zu 6462 Fälle. Bei 48.000-49.000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist das doch eine ganz erhebliche Prozentzahl denen in ihrer Kindheit eine Inobhutnahme durch das zuständige Jugendamt droht.“

    Die Anzahl der Fälle hast du über die 18 Jahre aufsummiert, die Anzahl der Kinder allerdings nicht. Es werden ja jedes Jahr Kinder erwachsen und neue werden geboren, die Anzahl der potenziellen Fälle nimmt also ebenfalls zu. Bei 413 Geburten für das Jahr 2010 wären das über 18 Jahre ca. 7000 mehr. Dazu kommen noch Kinder, die mit ihren Familien neu in den Landkreis ziehen. Man müsste auch die durchschnittliche Verweildauer in den Einrichtungen mit einrechnen. Wieviel „neue“ Fälle passieren denn jedes Jahr? Von den 359 Fällen in einem Jahr sind wahrscheinlich im nächsten Jahr immer noch 300 Fälle in „Obhut“. Das kann man also nicht so einfach addieren.

    • Richtig ist, dass man die Verweildauer von durchschnittlich ca. 2 Jahren noch berücksichtigen müsste. Dadurch würde man dann nicht mehr von 6462 Fällen sprechen, sondern „nur noch“ von ca. 3.000 Fällen. Anders sieht es aus mit den hinzugekommenen Jahrgängen.

      Bis zur Volljährigkeit dauert es in Deutschland 18 Jahre. Ein Kind aus dem Jahrgang 2016 kann also 18 Jahre lang vom Jugendamt geklaut oder in Obhut genommen werden. Dabei bleibt der Jahrgang ziemlich konstant. Wenn 2.500 Kinder 19 werden, dann werden auch wieder ungefähr 2.500 Kinder geboren. Die Gesamtzahl der Kinder bleibt also ziemlich konstant. Jedes Jahr gibt es für das Jugendamt einen Markt von 48.000 – 49.000 Kinder, und 18 x hat ein Kind des Jahrgangs 2016 die Chance Betroffener zu werden.

      Natürlich kann das keine genaue Rechnung sein, da es ja doch einige Abweichungen geben wird, und besonders gravierend der Unterschied der Bundesländer bei den Inobhutnahmen ist.

      In Niedersachsen soll statistisch die Chance der Inobhutnahme nur ca. halb so groß sein, wie in Schleswig-Holstein. In Berlin soll das dann fast achtmal so hoch sein wie in Niedersachsen.

      Mir geht es hier nur darum mal den Blick auf die Problematik zu schärfen, auch wenn man beim Betrachten der Zahlen rechnerisch vielleicht auf andere Ergebnisse kommt.

      Eine weitere Problematik sind für mich z. B. die Zahlen der Auslandsunterbringungen.
      Lünen, eine Stadt mit ca. 70.000 Einwohner hatte vor 2 oder 3 Jahren 7 Kinder im Ausland untergebracht.
      Gelsenkirchen, eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohner dagegen gar keine. Wie ist das zu erklären? Glaubt einer, dass die Kinder in Lünen so bösartiger sind, als die Kinder in Gelsenkirchen, oder deutet das auf Willkür hin?

      Sind nicht die Kinder das Problem, sondern die Jugendämter und deren Mitarbeiter?

      • Richtig, die Anzahl der 0-18Jährigen pro Jahr bleibt zwar konstant, ABER es sind ja nicht mehr die selben Kinder. Die 0-18 jährigen von 1997 sind ja komplett andere wie die 0-18 jährigen von 2016. 2016 findet sich ja keiner mehr in der Gruppe, der 1997 dabei war.

      • Stimmt schon, aber mir kommt es gar nicht auf die ganze Gruppe an, sondern um einen Jahrgang.

        Also aus der Gruppe der 2016 geborenen Kinder bedient sich das Jugendamt nicht nur einmal, sondern jedes Jahr aufs Neue. 18 Jahre lang.

        Dass es im Rest der Gruppe in diesen 18 Jahren einen jährlichen Austausch gibt, interessiert mich dabei wenig.

        Das Wesentliche aber an diesem Beitrag ist, dass die Leser zum Nachdenken kommen, um die Dimension zu erkennen. Um zu erkennen, dass es eben keine Einzelfälle sind, wie man das so gerne behauptet. Die Kommentare von dir zeigen mir, dass mir das offenbar gelungen ist mit dem Nachdenken. Man darf dabei durchaus zu einem anderen Ergebnis kommen.

        Wie bereits erwähnt sieht das Ganze in einem anderen Bundesland, oder sogar schon in einer anderen Stadt bzw. Kreis schon wieder wesentlich anders aus.

        Fakt ist, wenn in einer Stadt/Kreis jährlich etwa 10 Kinder aus einem Geburtsjahr vom Jugendamt geklaut werden, dann sind das eben nicht nur 10 Kinder aus dem Jahrgang, sondern mit der Volljährigkeit der Kinder hatte das Jugendamt 180 Kinder aus dem einen Geburtsjahr fremduntergebracht.

        Und die Tendenz ist seit Jahren ansteigend bis stark ansteigend.

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